Beginnen wir mit den Grundlagen:
Wir haben uns mit Tim Suys, der seit mehr als 25 Jahren Expertise und Berufserfahrung beim Verschleißschutz durch Auftragschweißen gesammelt hat und für die globale Geschäftsentwicklung für die Stahlindustrie bei UTP verantwortlich ist, zusammengesetzt. Er gibt uns Antworten zu den aktuellen Herausforderungen bei der Reparatur von Stranggusswalzen. Lesen Sie jetzt das Experteninterview!
Beginnen wir mit den Grundlagen:
Die Stahlwerke stellen immer mehr Spezialstähle her, z. B. hochfeste Stähle. Diese Stähle verursachen einen höheren Verschleiß an den Gießwalzen. Die Bereitstellung der richtigen Schweißzusätze zur weiteren Verbesserung der Lebensdauer von Stranggussanlagen ist eine große Herausforderung.
Teile zu reparieren ist immer nachhaltiger als sie durch neue Teile zu ersetzen. Deshalb versuchen wir ständig, unsere Produkte und Dienstleistungen zu verbessern, um die besten Lösungen für Stahlhersteller anzubieten.
Mit den speziellen Schweißprodukten, die wir im Laufe der Jahre entwickelt haben, können wir den Walzen eine viel bessere Lebensdauer verleihen, die bis zu 50 % höher ist als bei den alten Lösungen. Natürlich werden wir auch weiterhin an neuen Legierungskonzepten arbeiten, um die kommenden Herausforderungen zu meistern.
Ein herausragendes Projekt war das mit ArcelorMittal in Gent, Belgien. Die dortige Stranggussanlage hatte Probleme mit den Antriebsrollen. Wir führten eine 15%ige Kobaltlegierung als Zusatzwerkstoff ein, die die Lebensdauer der Walzen verdoppelte - eine echte Erfolgsgeschichte im Stahlsegment der Schweißindustrie.
Die richtige Auswahl der Materialien für die sogenannten Panzerungen (Auftragschweißen mit gegenüber dem Grundwerkstoff verschleißbeständigerem Auftragwerkstoff) sind äußerst wichtig. Dabei spielen die chemischen Zusammensetzung, die Temperaturbedingungen, die Geometrie und die Rauheit der Oberfläche der spezifischen Stahlsorten, die gegossen werden sollen, eine große Rolle. Natürlich auch die Umgebung, einschließlich Temperatur, Feuchtigkeit und korrosive Medien, dabei sind folgende Punkte zu beachten:
Der am häufigsten verwendete Werkstoff für die Plattierung von Stranggusswalzen ist beispielsweise ein modifizierter martensitischer Edelstahl der Reihe AISI 400 mit 12 % Chrom. Die Einführung von Schweißplattierungen mit diesen Werkstoffen Mitte bis Ende der 1980er Jahre hat die Produktqualität und die Lebensdauer von Stranggießwalzen deutlich verbessert.
Gießwalzen sind äußerst anspruchsvollen Betriebsbedingungen ausgesetzt. Sie müssen hohen Flächendruck, hohen Temperaturen, abrasiven Oxiden und Schlacken sowie zyklischen thermischen und mechanischen Belastungen standhalten. Im Laufe der Zeit führen diese Bedingungen zu verschiedenen Arten von Verschleißmechanismen, einschließlich abrasivem Verschleiß, adhäsivem Verschleiß, Oxidation, plastischer Verformung, Ermüdung, Korrosion und in einigen Fällen sogar zu katastrophalem Versagen.
Abrasiver und adhäsiver Verschleiß werden hauptsächlich durch den Kontakt mit Oxiden, Schlacke und der Bramme selbst verursacht. Wenn die Schmelze erstarrt und abgezogen wird, ist die Walzenoberfläche den abrasiven Kräften der erstarrten Oxide und der Schlacke ausgesetzt, die sich auf der gegossenen Bramme bilden. Diese Kräfte führen im Laufe der Zeit zu einem Verschleiß der Walzenoberfläche.
Die Oxidation ist besonders wichtig bei hohen Temperaturen in Kombination mit Wasserdampf. Dieser Prozess führt zur Bildung von Oberflächenoxiden, die den Abrieb verschlechtern. Dieser Oxidationsprozess führt zu einem "Elefantenhaut"-Muster auf der Walzenoberfläche - ein Ergebnis der Oxidation entlang der Korngrenzen. Dieses Muster schwächt die Oberfläche und führt häufig zu Rissen und Abplatzungen im Material.
Plastische Verformung tritt auf, wenn sich die Walzenoberfläche durch den hohen Kontaktdruck der heißen Bramme verformt, insbesondere wenn die Walzen diesen Kräften wiederholt ausgesetzt sind.
Thermische und mechanische Ermüdung sind ebenfalls wichtige Verschleißmechanismen. Während sich die Walze dreht, ist sie zyklischen Belastungen durch den Brammendurchlauf und Biegekräften sowie extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt, wenn die Oberfläche in Kontakt mit der heißen Bramme kommt, die bis zu 600 °C heiß sein kann, und dann durch Wasserberieselung abgekühlt wird. Diese wiederholten Temperaturwechsel verursachen ein feines Netz von Rissen, die als "Brandrisse" bekannt sind und eine der Hauptursachen für Materialverluste darstellen.
Korrosionsmechanismen wie Lochfraß und Spaltkorrosion haben ihre Ursache in aggressiven sauren Umgebungen innerhalb der Gießanlage, die häufig auf lokale Bedingungen zurückzuführen sind, die eine anodische Auflösung des Stahls begünstigen. Ein weiteres Problem ist die Formflusskorrosion, bei der das Spritzwasser, das häufig Flusssäure aus Reaktionen mit dem Formflusspulver enthält, eine Umgebung mit niedrigem pH-Wert erzeugt. Diese Umgebung beschleunigt Lochfraß, Spaltkorrosion und kann zu Spannungsrisskorrosion führen, insbesondere in Bereichen mit Oberflächenunterbrechungen.
Ein katastrophales Versagen kann entweder durch eine unangemessene Werkstoffauswahl oder durch die bereits erwähnten fortschreitenden Verschleißmechanismen verursacht werden. So können z.B. übermäßige Abplatzungen, Oberflächenschäden oder Walzenbrüche auf Verschleißmechanismen wie thermische Ermüdung, Oxidation oder Korrosion zurückgeführt werden. Bleiben diese Mechanismen unkontrolliert, führen sie schließlich zum plötzlichen Totalausfall.
Ja, es gibt mehrere wichtige Strategien, um diese Probleme zu entschärfen.
Eine der wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen sind Auftragschweißen mit gegenüber dem Grundwerkstoff verschleißbeständigerem Auftragwerkstoff. Diese Schichten sollten so konzipiert sein, dass sie den rauen Bedingungen des Stranggießens standhalten. Insbesondere sollten die Schutzschichten die folgenden Anforderungen erfüllen:
Die Wahl des Materials ist entscheidend für die Lebensdauer der Rollen. Hier sind einige wichtige Anforderungen:
Spannungsrisskorrosion (SCC): Spannungsrisskorrosion wird häufig durch die Bildung von Korrosionsgrübchen oder -spalten in wiedererwärmten oder überlappten Bereichen verursacht, in denen der thermische Zyklus der Schweißnaht zu einer Verarmung an Chrom führen kann. Diese Verarmung macht die Bereiche anfälliger für interkristallinen Angriff, insbesondere unter Zugspannung. Diese Risse können sich ausbreiten und die Schutzschicht schwächen.
Um sowohl vorzeitige interkristalline Korrosion als auch SCC zu reduzieren, sollten Schutzschichten mit hoher Wärmeleitfähigkeit, guter Schweißbarkeit und angemessenen Kosten entwickelt werden. Darüber hinaus ist eine sorgfältige Kontrolle der Legierungszusammensetzung, der Abkühlraten und der thermischen Zyklen während des Schweißens unerlässlich, um eine Sensibilisierung zu vermeiden und die Lebensdauer der Walze zu verlängern.
Es scheint also, dass der Auswahl von Materialien, die nicht nur sofortige Härte, sondern auch langfristige Beständigkeit unter extremen Bedingungen bieten, große Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Ja, die Wartung ist genauso wichtig wie die ursprüngliche Materialauswahl. Bei routinemäßigen Inspektionen können Anzeichen von vorzeitigem Verschleiß wie Lochfraß, Risse oder Korrosion festgestellt werden. Jede sichtbare Beschädigung sollte sofort repariert werden, um ein Fortschreiten zu verhindern. Die Anwendung dieser Strategien - sowohl bei der Werkstoffauswahl als auch bei der Instandhaltung - hilft den Betreibern, die Lebensdauer der Gießwalzen zu maximieren und gleichzeitig die Produktionseffizienz aufrechtzuerhalten.
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